Die „FL“-Traktoren sind unter Sammlern legendär, da sie die ersten großserienmäßigen luftgekühlten Schlepper von Deutz waren. Die Nomenklatur entschlüsselt sich wie folgt:
- F = Fahrzeugmotor
- 1, 2, 3, 4 = Anzahl der Zylinder
- L = Luftgekühlt
- 514 / 612 / 712 = Die Baureihe des Motors (bezogen auf Hubhöhe und Entwicklungsstufe)
- /50, /51, /4 etc. = Das genaue Modell/Variante und oft das Erscheinungsjahr
1. Die Baureihe FL 514 (1950 – 1957)
Diese Baureihe begründete den Ruf der luftgekühlten Deutz-Motoren. Sie sind groß, robust und haben einen charakteristischen, harten Klang.
1-Zylinder
- F1L 514/50 (15 PS) – Bauzeit: 1950–1951 (Der „Knubbel“, 4-Gang Getriebe)
- F1L 514/51 (15 PS) – Bauzeit: 1951–1956 (5-Gang Getriebe)
- F1L 514/2-N (15 PS) – Bauzeit: 1956–1957 (Niedrigere Bauweise, Haube lässt sich öffnen)
2-Zylinder
- F2L 514/50 (28-30 PS) – Bauzeit: 1950–1953 (ZF A-15 Getriebe)
- F2L 514/51 (30 PS) – Bauzeit: 1951–1953
- F2L 514/53 (30 PS) – Bauzeit: 1953–1956 (Deutz-Getriebe mit Stahlblechwanne)
- F2L 514/54 (30 PS) – Bauzeit: 1954–1956 (Verstärktes Getriebe)
- F2L 514/4 (30 PS) – Bauzeit: 1956–1957 (Teilweise auch als „Hochrad“ bezeichnet)
- F2L 514/6 (34 PS) – Bauzeit: 1956–1958 (Leistungsgesteigert)
3-Zylinder
- F3L 514/51 (42-45 PS) – Bauzeit: 1951–1954
- F3L 514/54 (45 PS) – Bauzeit: 1954–1956 (Sehr beliebtes Modell dieser Klasse)
- F3L 514/6 (45 PS) – Bauzeit: 1956–1958
- F3L 514/7 (50 PS) – Bauzeit: 1956–1958 (Leistungsgesteigert)
4-Zylinder (Die „Giganten“)
- F4L 514/54 (60 PS) – Bauzeit: 1952–1957
- F4L 514/7 (65 PS) – Bauzeit: 1957–1960
2. Die Baureihe FL 612 (1952 – 1958)
Die 612er waren ursprünglich als „Bauernschlepper“ für kleinere Betriebe konzipiert. Sie waren kompakter und leichter als die wuchtigen 514er. Die Zahl 612 bezieht sich auf die Baureihe 6 mit 12 cm Kolbenhub.
1-Zylinder („Der 11er“)
- F1L 612/4 (11 PS) – Bauzeit: 1953–1958 (Luftgekühlter „Volksschlepper“)
- Oft einfach als „11er Deutz“ bekannt.
2-Zylinder
- F2L 612/4 (22 PS) – Bauzeit: 1954–1956
- F2L 612/5 (24 PS) – Bauzeit: 1956–1958 (Vorgänger des D25)
- F2L 612/6 (18 PS) – Bauzeit: 1956–1958 (Gedrosselte Sparversion)
3. Die Baureihe FL 712 (1958 – 1959)
Diese Reihe war eine kurze Übergangsphase zwischen den 612ern und der darauf folgenden D-Serie. Der Motor wurde leicht überarbeitet (Bohrung vergrößert), das Chassis blieb oft gleich.
- F1L 712 (13 PS) – Bauzeit: 1958–1959 (Direkter Nachfolger des 11ers, Übergang zum D15)
- F2L 712 – Diese Bezeichnung taucht oft in den ersten Prospekten des D 25 auf. Viele Traktoren, die technisch der D-Serie (D 25, D 25 S) entsprechen, tragen noch den Motor F2L 712.
Hinweis: Ab 1959 wurde die Nomenklatur auf die bekannte D-Serie (D 15, D 25, D 30, D 40, D 50, D 80) umgestellt, obwohl die Motoren weiterhin die Bezeichnungen FL 712, FL 812 und später FL 912 trugen.
4. Die D-Serie (1959 – 1965)
Mit der D-Serie führte Deutz erstmals eine einheitliche Nomenklatur ein, die sich grob an der PS-Leistung orientierte. Technisch basierten die frühen Modelle noch auf der 712er Motorenreihe, ab ca. 1964 erfolgte dann der schleichende Übergang zur legendären 812er Baureihe.
1-Zylinder
- D 15 (14 PS) – Bauzeit: 1959–1965
- Der „kleine Deutz“, direkter Nachfolger des F1L 712, sehr beliebt bei Kleinbetrieben.
2-Zylinder
- D 25 (20-25 PS) – Bauzeit: 1959–1965
- Eine sehr komplexe Modellgeschichte mit vielen Varianten (D 25, D 25 S, D 25.1, D 25.2). Der D 25.2 entspricht technisch bereits weitgehend dem D 30.
- D 30 / D 30 S (28 PS) – Bauzeit: 1961–1965
- Der absolute Bestseller seiner Zeit. Über 35.000 Stück gebaut. Das „S“ steht für die besser ausgestattete Version (Doppelkupplung für unabhängige Zapfwelle).
3-Zylinder
- D 40 (35-40 PS) – Bauzeit: 1959–1965
- Auch hier gibt es viele Varianten:
- D 40.1 / D 40.1 S: Die „schwere“ Ausführung (Motor F3L 712).
- D 40 L / D 40.2: Die „leichte“ und modernere Ausführung, die später den Markt dominierte.
- Auch hier gibt es viele Varianten:
4-Zylinder
- D 50 (46 PS) – Bauzeit: 1959–1962
- D 50.1 S (52 PS) – Bauzeit: 1962–1964
- Der direkte Nachfolger der großen 514er Maschinen, nun mit modernerem Design und Regelhydraulik.
- D 55 (D 5005) – Übergangsmodelle, oft schon mit 812er Motor.
6-Zylinder (Premiere)
- D 80 (75-80 PS) – Bauzeit: 1964–1965
- Der erste serienmäßige 6-Zylinder-Schlepper von Deutz.
- Ausgestattet mit dem Motor F6L 812.
- Er wurde nur in geringer Stückzahl gebaut, da er kurz darauf vom optisch fast identischen D 8005 abgelöst wurde.
5. Die Baureihe D-05 (1965 – 1967)
Diese Baureihe war eine Übergangsserie. Sie führte das neue, kantige Design ein (in der Farbe „Deutz-Grün 64“), nutzte aber technisch oft noch bewährte Komponenten der D-Serie, gepaart mit den neueren FL 812 Motoren. Sie war nur kurz auf dem Markt, bevor die berühmte 06-Serie erschien.
2-Zylinder
- D 2505 (22 PS) – Bauzeit: 1965–1967 (Nachfolger des D 25)
- D 3005 (28 PS) – Bauzeit: 1965–1967 (Nachfolger des D 30)
3-Zylinder
- D 4005 (35 PS) – Bauzeit: 1965–1967
- D 4505 (40 PS) – Bauzeit: 1965–1967 (Leistungsgesteigerte Variante)
4-Zylinder
- D 5005 (45 PS) – Bauzeit: 1965–1967 (Besitzt ein Deutz-Schubradgetriebe)
- D 5505 (52 PS) – Bauzeit: 1965–1967
- Ausgestattet mit einem ZF-Getriebe und dem Motor F4L 812 S. Gilt als sehr robuster Schlepper.
- D 6005 (58-60 PS) – Bauzeit: 1966–1967
- Ein wichtiges Modell: Er war einer der ersten Deutz-Schlepper mit Direkteinspritzung und der erste, der in nennenswerter Stückzahl mit Allradantrieb (D 6005 A) verkauft wurde.
6-Zylinder (Die Kraftpakete)
- D 8005 (75 PS) – Bauzeit: 1965–1966
- Der direkte Nachfolger des D 80.
- D 9005 (85 PS) – Bauzeit: 1966–1967
- Das Topmodell der Serie. Mit Allradantrieb, Servolenkung und optionaler Kabine war dies damals ein absoluter Großschlepper für Lohnunternehmer und Großbetriebe.
6. Die Baureihe D-06 (1968 – 1981)
Die erfolgreichste und am längsten gebaute Baureihe von Deutz. Sie etablierte die FL 912 Motoren (Direkteinspritzer), die für ihre Sparsamkeit und Langlebigkeit berühmt wurden.
- Farbschema-Wechsel 1974: Bis 1974 waren die Schlepper dunkelgrün („Deutz-Grün 64“) mit grauem Rumpf und roten Felgen. Ab 1974 wurden sie hellgrün („Deutz-Grün 74“) mit dunkelbraunem/schwarzem Rumpf und silbernen Felgen (später).
2-Zylinder (Die kleinen Hofschlepper)
- D 2506 (22 PS) – Der kleinste der Reihe.
- D 3006 (30 PS) – Extrem wendig, sehr beliebt als Zweitschlepper.
3-Zylinder (Die Mittelklasse)
- D 4006 (35 PS) – Der meistverkaufte Deutz-Schlepper aller Zeiten.
- D 4506 (40 PS)
- D 5006 (45-48 PS) – Frühes Modell, später durch D 5206 ersetzt.
- D 5206 (52 PS) – Späteres Modell, sehr spritzig und kraftvoll für 3 Zylinder.
4-Zylinder (Die Allrounder)
- D 5506 (52 PS)
- D 6006 (62 PS)
- D 6206 (58 PS) – Nachfolger des D 5506/6006 im mittleren Segment.
- D 6806 (68 PS)
- D 7006 (67 PS) – Wurde später vom D 7206 abgelöst.
- D 7206 (72 PS)
6-Zylinder (Die Legenden)
- D 7506 (75 PS) – Nur kurz gebautes Einstiegsmodell.
- D 8006 (80 PS) – Der „kleine“ Sechsender, sehr populär.
- D 9006 (90 PS) – Nur bis ca. 1970 gebaut.
- D 10006 (100 PS) – Lange Zeit das Standard-Großmodell.
- D 13006 (120-130 PS) – Das Flaggschiff der Standardtraktoren. Heute ein gesuchter Klassiker mit brachialem Sound.
Sonderbauform (Knicklenker)
- D 16006 (160 PS) – Eine absolute Rarität. Ein Knicklenker mit 8-Zylinder-Motor (V8), ursprünglich basierend auf Radlader-Technik. Nur sehr wenige Exemplare gebaut.
7. Die Baureihe D-07 und D-07C (1980 – 1990)
Diese Baureihe markiert den Abschluss der klassischen „Standard-Schlepper“ von Deutz und lief parallel zur Einführung der modernen DX-Serie.
- Technik: Großteils basierend auf der 06er-Serie, aber optisch modernisiert.
- Das „C“ (Comfort): Die Modelle mit dem Zusatz „C“ besaßen die hochwertige Sekura-Kabine.
- Besonderheiten: Ebener Kabinenboden, Seitenschaltung (statt Mittelschaltung), bessere Schalldämmung und der Kraftstofftank liegt hinter dem Sitz.
2-Zylinder
- D 2807 (29 PS) – Bauzeit: 1982–1988 (Meist für Export oder Kommunaleinsatz)
- D 3607 (34 PS) – Bauzeit: 1983–1988
3-Zylinder
- D 4007 (35 PS) – Bauzeit: 1980–1984
- D 4507 / D 4507 C (40 PS) – Bauzeit: 1980–1990
- D 4807 / D 4807 C (45 PS) – Bauzeit: 1980–1984
- D 5207 / D 5207 C (51 PS) – Bauzeit: 1980–1984
- Die C-Versionen dieser kleinen, wendigen Schlepper waren extrem beliebt und wurden lange gebaut, da viele Landwirte für Hofarbeiten noch keinen großen DX wollten.
4-Zylinder
- D 6007 / D 6007 C (57 PS) – Bauzeit: 1983–1984
- D 6207 / D 6207 C (60 PS) – Bauzeit: 1981–1982
- D 6507 / D 6507 C (62 PS) – Bauzeit: 1982–1984
- D 6807 / D 6807 C (67 PS) – Bauzeit: 1980–1983
- D 6907 / D 6907 C (70 PS) – Bauzeit: 1983–1984
- D 7007 / D 7007 C (70 PS) – Bauzeit: 1982–1984
- D 7207 / D 7207 C (70-72 PS) – Bauzeit: 1980–1983
- D 7807 / D 7807 C (75 PS) – Bauzeit: 1980–1984
- Das Topmodell der Serie. Häufig bereits mit dem stärkeren Motor F4L 913 ausgestattet. Die größeren Modelle der 07-Reihe wurden relativ schnell durch die DX-Modelle (DX 3.xx) abgelöst.
